Komfortzone verlassen

Komfortzone verlassen

Vergangene Woche musste ich für ein Meeting nach Salzburg fahren. Ich hatte einen genauen Plan: Route eingeben, in Salzburg aussteigen, ins Hotelzimmer gehen, am nächsten Tag zum Meeting und danach wieder zurück in die Steiermark. Zum Glück habe ich meine Pläne geändert, auf meine Intuition gehört und meine Komfortzone verlassen.

Alles nach Plan

Ich brauche stets einen Plan. Kontrolle über die Zukunft.

Das Leben mit meinen Panikattacken dauert nun schon 2 Jahre an. Jeder Tag ist mühsam – Angst und Panik die Kontrolle zu verlieren. Viele schöne Momente wurden mir durch diese Angst geraubt. Man fühlt sich wie in einem Karussell und kann nicht aussteigen. Mir würd übel, aber dennoch bleibe ich sitzen. Mit etwas Mut kämpfe ich dagegen an, aber immer nur mit sehr wenig Kraftaufwand – die Angst ist dennoch zu groß, um mich tatsächlich für’s Aussteigen zu entscheiden.

Meine Komfortzone verlassen, fällt mir schwer. Ich mache kleine Schritte aus meiner Wohlfühlzone, aber so richtig traue ich mich nicht.

Alleine beim Gedanken, nach nach Salzburg zu fahren, ein Meeting mit fremden Personen zu habe, löst in mir extreme Angst aus. Ich habe nicht speziell Angst vor diesen Personen, oder vor diesem Treffen, aber Angst, währenddessen eine Panikattacke zu bekomme.

Dennoch habe ich mich dazu entschlossen zu diesem Meeting zu fahren und meine Ängste zu überwinden. Meine Komfortzone zu verlassen und auch meine Pläne über Bord zu werfen.

Situationen umgehen

In den vergangenen zwei Jahren habe ich „gelernt“ wie ich für mich unangenehme Situationen umgehen  kann- sie meiden und trotzdem am sozialen Leben teilhaben kann. Dennoch gibt es sehr viele Dinge, die ich nicht unbeschwert tun und das Leben somit auch nicht mehr genießen kann. Es macht mich wütend und traurig und oft wünsche ich mir mein altes Leben zurück.

Ich möchte die Uhr nicht zurückdrehen, weil ich der Meinung bin, dass jede Situation auch ihre positiven Seiten hat – auch meine Panikattacken. Durch meine „Erkrankung“ lernte ich viele neue Menschen und Erfahrungen kennen, führte tolle Gespräche, konnte anderen Menschen Tipps helfen und hatte auch die Möglichkeit bestimmte Behandlungen auszuprobieren, die ich sonst niemals erlebt hätte. Ich habe mich dadurch verändert und zwar zu einem besseren Menschen, so zumindest mein Empfinden.

Seit Monaten arbeite ich aktiv an mir und kämpfe dagegen an. Ich versuche weniger über die Zukunft nachzudenken und gehe mit einer „Ich-Scheiß-drauf-Einstellung“ durchs Leben.

Ich mache kleine Fortschritte. Immer einen Schritt weiter in die richtige Richtung.

Nun war ich in Salzburg, habe das Meeting „überlebt“, einen tollen Menschen kennengelernt und eine super coole Erfahrung gemacht. Ganz ohne Panikattacke.

Zurück ins Leben

Ich genieße mein Leben wieder mehr, traue mich jeden Tag ein kleines Stück weiter aus meiner Komfortzone heraus und irgendwann (ich bin mir sicher) werde ich wieder ein ganz normales und unbeschwertes Leben führen können. Nicht mein altes Leben, sondern ein viel schöneres.

Mein Tipp an alle Personen, die ebenfalls an Panikattacken leiden: Scheißt drauf! Macht einfach! Traut euch und ändert eure Pläne. Seid spontan, überlegt nicht 10 Mal und macht öfter Dinge, die ihr eigentlich nicht tun wollt/könnt, weil ihr Angst vor einer weiteren Panikattacke habt. In den letzten Wochen hatte ich wunderbare Erlebnisse – mehr als im gesamten Jahr 2016 zusammen. Ich spüre wieder Energie in mir – ich möchte wieder leben und nicht nur existieren. Habe so viele Momente verpasst, mir Chancen entgehen lassen und das will ich einfach nicht mehr.

Mein Juli und August 2017

  • Urlaub am Meer
  • Mit dem Jet-Ski fahren
  • Schwimmen im See ohne Luftmatratze
  • Tauchen im Meer
  • Gemeinsam im Auto zu fahren
  • Mit einem Boot zu fahren
  • Im Restaurant essen
  • Polterabend mit den Mädels
  • Gast auf einer Hochzeit zu sein
  • Alleine nach Salzburg zu fahren
  • Alleine zu einem See zu fahren, ohne Bikini und dort mit Unterwäsche vor anderen Menschen ins Wasser zu springen
  • Fremde Menschen anzusprechen, ob sie von mir ein Foto machen könnten
  • Mit fremden Menschen zu plaudern
  • Ein wichtiges Meeting zu führen
  • Wandern zu gehen

Wie ich zu Beginn dieses Artikels erwähnt habe, habe ich meine Pläne geändert und bin kurz vor Salzburg einfach abgefahren und habe einen kleinen Ausflug zum Mondsee unternommen. Dort war ich zuerst auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen, aber das gab es dort nicht. Auch der Kauf des Bikinis fiel dann ins Wasser, da es dort genau ein Geschäft gab und die Bikinis mir einfach zu teuer waren.

Habe mir dann einfach eine Eintrittskarte zum Seebad gekauft, Petzi’s Handtuch mit Millionen Haaren vom Auto geschnappt und ein nicht so überfülltes Plätzchen am See gesucht. Nach kurzer Überlegung bin ich einfach in Unterwäsche vor fremden Menschen ins Wasser gesprungen und was soll ich sagen, es war einfach herrlich.

Es war mir so egal und ich fühlte mich irgendwie frei – könnt ihr euch dieses Gefühl vorstellen? Bin noch 2 Stunden am See geblieben, ein wenig geschwommen, geplaudert, entspannt und danach erst weiter nach Salzburg.

Klingt für den Großteil der Menschen wie ein ganz normaler Ausflug, aber für Personen mit Panikattacken sind solche Dinge nicht ganz so easy. Ich bin wirklich stolz auf mich, glücklich und motiviert.