Permakulturgarten von Viktoria und Tobi

Permakulturgarten von Viktoria und Tobi

Vor einigen Wochen ging’s nach Kitzeck in den Permakulturgarten von Viktoria und Tobi. Was Permakultur ist und was Viktoria und Tobi damit anstellen möchten, werde ich euch in den kommenden Zeilen erzählen.

Viktoria, Tobi und Ole

Viktoria und Tobi stammen beide – wie auch ich – aus der Südsteiermark und leben seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Hund Ole in Graz. Vor einigen Wochen habe ich Viktoria auf einer Party getroffen und in unserem Gespräch von ihrem wunderschönen Garten in Kitzeck erfahren. Da mich solche Themen sehr interessieren, wollte ich mir diesen Garten unbedingt ansehen. Wir haben ein Treffen vereinbart und Viktoria und Tobi haben mir in diesem kleinen Interview vieles, wirklich Interessantes über Permakultur erzählen können. 

PERMAKULTURGARTEN VON VIKTORIA UND TOBI

1. Wie seid ihr zu Permakultur gekommen?



Tobi
: Begonnen hat es damit, das ich im Rahmen meines Studiums (Nachhaltiges Lebensmittelmanagment) unterschiedliche Praktika absolvieren musste. Mein erstes Praktikum absolvierte ich bei der „Kleinen Farm“ – ein Obst- und Gemüsebetrieb mit Fokus auf solidarische Landwirtschaft. Das bedeutet, sie haben fixe Ernteteilnehmer, die sie wöchentlich beliefern und von denen sie vor Saisonbeginn einen gewissen Betrag erhalten, um die „Kleine Farm“ bewirtschaften und erhalten zu können. Im Zuge meines Praktikums konnte ich Einblicke in die naturnahe und nachhaltige Landwirtschaft bekommen und wie man vor allem der Monokultur entgegenwirken kann. Dieses nachhaltige System hat uns so gut gefallen und war im Endeffekt der Anstoß einen eigenen Permakulturgarten zu errichten und zu bewirtschaften.

Tomaten Permakultur
Kräuter, Gemüse und Obst - Permakultur Leibnitz

ViktoriaDa meine Familie ein Stück Land in Kitzeck besitzt, hat es sich natürlich auch angeboten, hier unseren Traum in die Tat umzusetzen. Zu Beginn hatten wir zwar andere Pläne, doch schlussendlich hat sich das hier für uns stimmig angefühlt.

2. Was ist Permakultur?



Viktoria
: Im Allgemeinen gibt es unterschiedliche Abspaltungen der Permakultur, jedoch die Grundprinzipien sind immer „Nutze was vorhanden ist.“ Sprich – alle Dinge, die am Grundstück vertreten sind werden genutzt, es wird nichts hinausgebracht und auch nichts hineingebracht. Dieses Prinzip gilt besonders für Dünger – es wird kein mineralischer Dünger zugekauft (egal ob BIO oder nicht BIO), sondern ein natürlicher in sich geschlossener Kreislauf mit den vorhandenen Ressourcen geschaffen. Das bedeutet, alles was abgebaut wird und sich an organischen Material zersetzt, wird verfügbar und kann in den Kreislauf wieder eingebracht werden. Der Hauptfokus ist die Kultivierung des Bodens – den Boden fruchtbar zu machen und zu erhalten. Denn nur durch einen gesunden, reichhaltigen und fruchtbaren Boden, können Pflanzen gedeihen.

3. Es werden somit keine Dünger zugekauft – mit welchen Materialien düngt ihr euren Boden bzw. eure Pflanzen?



ViktoriaGenau, wir verzichten auf zugekauften künstlichen oder auch biologisch-abbaubaren Dünger. Wir verwenden jene Dinge, die wir in unserem Garten kultivieren und die als natürlicher Dünger in Frage kommen. Beispielsweise kann aus Brennnesseln eine Brennnesseljauche erstellt werden, die den Boden mit hochwertigen Nährstoffen wie Stickstoff versorgt.

Tobi
: Ganz wichtig ist auch das Mulchen. Beim Mulchen werden Pflanzen und Boden mit unverrotteten organischen Materialien bedeckt und so Nährstoffe abgegeben. Das Mulchen ist ein sehr wichtiger Beitrag zur langfristigen Bodenfruchtbarkeit. Sprich, wenn Pflanzen oder Pflanzenteile absterben, werden diese wiederverwendet und der Boden damit bedeckt und so Nährstoffe in den Boden geleitet.

Permakulturgarten Leibnitz
Kitzeck Steiermark - Permakultur



ViktoriaDas gilt auch für Unkraut bzw. Beikraut. Beikraut wird gejätet und nicht entsorgt, sondern einfach über dem Boden verteilt, damit auch diese Nährstoffe in den Boden fließen können und so als natürlicher Dünger zum Einsatz kommen.

4. Man spricht von einem Kreislauf – wie kann man das verstehen?



Viktoria
Ein wichtiger Aspekt, den sehr viele außer Acht lassen. Der Fokus sollte auf das große Ganze gelegt werden und nicht nur bis zur Beet- oder Ackergrenze. Es ist wichtig alles in Einklang zu bringen und die einzelnen Pflanzen aufeinander abzustimmen, um eine natürliche Harmonie im Garten und vielleicht sogar außerhalb der Grundstücksgrenze zu erzeugen.

Tobi
Planung ist das A und O in der Permakultur. Werden Beete und Pflanzen im Garten richtig angelegt, damit sie von einander profitieren und miteinander harmonieren, ist schlussendlich wenig menschlicher Eingriff nötig. Pflanzen können auf natürliche Weise wachsen und gedeihen.

Regionales Gemüse

5. Ab wann ist ein natürlicher Kreislauf möglich? Ab welchem Zeitpunkt muss der Mensch kaum in die Natur bzw. in den Garten eingreifen?



Viktoria
Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten – je nach Beschaffenheit des Bodens und welche Pflanzen zuvor auf diesem Grundstück bzw. Garten gepflanzt wurden (z.b. jahrelange Monokultur), umso länger kann natürlich auch der Prozess andauern, bis sich ein natürliches System bzw. ein Kreislauf bildet. Ganz ohne menschliches Eingreifen wird es in einem Garten oder Beet jedoch nie funktionieren. Grundsätzlich kann man jedoch von einigen Jahren ausgehen, je nach Lage, Beschaffenheit, Nährstoffverfügbarkeit oder Hummusdicke der einzelnen Beete bzw. der gesamten Anlage. Es ist ein stetiges Ausprobieren und schwer in der Theorie eine genaue Prognose abzugeben, ab wann dieser Kreislauf im Garten „eigenständig“ funktionieren wird.

Tobi
Da wir auch einige einjährige Pflanzen kultivieren, die jedes Jahr neu gepflanzt (zwar mit Samen aus dem Vorjahr) werden müssen, ist ein Eingriff unsererseits in einer gewissen Form immer notwendig.

Obstbäume Permakultur Kitzeck

6. Habt ihr euch bereits Gedanken dazu gemacht, welche Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter ihr in eurem Garten kultivieren wollt?



Viktoria
Wir haben erst in diesem Jahr mit unserem Permakulturgarten begonnen und den Fokus auf den Boden gelegt, um eine gesunde Ausgangsbasis zu schaffen. Derzeit befinden sich diverse Kräuter, unterschiedliche Tomatensorten, Zucchinis, Melanzanis, Gurken, Salate, Kürbis, Mais, Kohlgemüse, Äpfel, Beeren sowie Trauben auf dem Grundstück. Für das kommende Frühjahr sind besonders mehrjährige Pflanzen geplant – viele neue Obstbäume und Beerensträucher. Zusätzlich dienen diese als Sonnenfalle, um die Sonnenwirkung möglichst hoch zu halten, um wärmeliebende Pflanzen ein perfektes Klima zu schaffen. Man versucht Mikro-Ökosysteme und Mikro-Klimata zu erschaffen, um anderen Pflanzen mit besonderen Ansprüchen die besten Vorraussetzungen zu bieten. Obendrein könnte man hier mit Steinen oder einem Teich arbeiten, um noch mehr Sonnenkraft zu bündeln. Dieses Prinzip funktioniert natürlich auch in die entgegengesetzte Richtung, um Pflanzen Schatten zu spenden, die es eher sonnenarm mögen.

Tiere und Insekten Permakultur



Tobi
: Außerdem werden nicht nur gute Bedingungen für bestimmte Pflanzenarten geschaffen, sondern auch natürliche Mikro-Habitate für gewisse Tierarten, die sich wiederum in den Kreislauf einbinden.

7. Werden auch (Nutz-)Tiere zum Einsatz kommen?

Tobi: Ja, wir haben auf jeden Fall darüber nachgedacht – welche Tiere und zu welchem Zeitpunkt können wir jetzt noch nicht sagen. Angedacht waren Ziegen, Schafe, Gänse und Hühner.


Viktoria: Da wir beide seit 5 Jahren vegan leben, haben wir uns natürlich auch Gedanken darüber gemacht, ob es dann „noch“ unter vegane Landwirtschaft fällt.


Für uns steht fest: Wir möchten keine Tiere ausbeuten, schlachten, vermehren bzw. züchten oder dergleichen – wir würden ausschließlich Tiere auf unseren Hof holen, denen wir ein schönes und langes Leben ermöglichen können. Das bedeutet wir würden keine speziell gezüchteten Tiere auf unser Grundstück holen, sondern Tiere aufnehmen, die bereits auf einem Bauernhof gelebt haben oder aus einer Massentierhaltung stammen – ihnen dadurch ein längeres und schöneres Leben gewährleisten können. Ergibt sich durch die Haltung der Tiere ein natürlicher Dünger, werden wir auf diesen zurückgreifen – ohne dabei das Tierwohl zu gefährden. 


„Biologisch-vegane Landwirtschaft (auch bio-vegan, biovegan oder biozyklisch-vegan, engl. auch veganic) verbindet die Grundsätze der Ökologischen Landwirtschaft mit denen des Veganismus. Folglich werden keine Tiere zur Produktion von Nahrungsmitteln gehalten und jeder bewusste Eintrag aus tierischer Herkunft wie etwa Gülle, Hornspäne, Blutmehl oder Fischmehl ausgeschlossen ebenso wie chemisch-synthetische Produkte zur Düngung oder Schädlingsbekämpfung.“ Quelle: Wikipedia

8. Werdet ihr auch Bienen halten?


Tobi und Viktoria: Nein, wir werden nicht speziell Honigbienen auf unser Grundstück setzen, sondern möchten Gegebenheiten schaffen, um Tiere und Insekten ein natürliches Areal zum Leben zu gewährleisten.


ViktoriaWir möchten Insekten und speziell Wildbienen neue Lebensräume und Nistplätze schaffen, um das Aussterben dieser Arten entgegenzuwirken.

9. Worauf müsste man achten, wenn man selbst ein Beet, einen Garten oder Balkon nach Permakultur-Richtlinien erstellen möchte?


Viktoria: Zu Beginn sollte man sich einlesen, welche Pflanzen sind verträglich und können sich gegenseitig stärken.

Gewächshaus Permakultur Leibnitz


Tobi: Der Standort ist natürlich auch wichtig, jedoch gibt es kaum Plätze, die sich nicht dafür anbieten würden. Je nach Pflanze gibt es unterschiedliche Vorraussetzungen, die nach Standort gewählt werden können.

10. Was sind eure Pläne mit eurem Garten?


Tobi: In diesem Jahr haben wir vorrangig ausprobiert, welche Pflanzen funktionieren und welche sind eher ungeeignet für unseren Standort. Es ging in erster Linie um die Vorbereitungen für die kommenden Jahren. Ab 2022 möchten wir jedoch mit dem Verkauf von Obst, Gemüse und Co. starten. Wir werden Gemüsekisten zusammenstellen – sprich, unsere Kunden haben die Möglichkeit wöchentlich oder alle zwei Wochen eine Kiste voll mit regionalem und saisonalem Gemüse sowie Obst zu erwerben. Zu Beginn wird sich das im kleinen Rahmen bewegen und mit unserem wachsenden Ertrag möchten wir natürlich auch mehr Menschen damit erreichen.
Unser Ziel ist es besonders Menschen damit anzusprechen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Denen regionale und saisonale Produkte am Herzen liegen und die gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen Monokultur setzen möchten.

11. Wie kann man ab 2022 zu diese Gemüse- und Obstboxen kommen bzw. wo kann man diese erwerben?

Regionales und Saisonales Gemüse und Obst Leibnitz


Viktoria: 
Man hat die Möglichkeit die Boxen direkt ab Hof zu kaufen oder sie sich bequem nach Hause liefern zu lassen.

12. Welche Produkte werden enthalten sein?


Viktoria und Tobi: Neben Gemüse, Obst und Kräuter möchten wir langsam auch eigene Produkte kreieren und die in unseren Boxen anbieten. Beispielsweise Brot, Essig, Marmelade, Säfte, Tofu oder auch Tempeh.

13. Was sind die nächsten Schritte für euch – was steht demnächst an?


Viktoria: Ein größerer Schritt bzw. eine größere Anschaffung wird unser Gemüsetunnel bzw. Folientunnel sein. So ein Tunnel bietet uns die Möglichkeit auch in den kälteren Monaten Gemüse zu kultivieren. Der Tunnel eignet sich besonders gut für Wintergemüse wie beispielsweise Kohlgemüse und Wurzelgemüse. 

Hiermit möchte ich mich auf diesem Wege erneut für eure Gastfreundschaft und für den vollen Korb an köstlichem Gemüse, Obst und Kräutern bedanken. Danke für die Einsicht in euren Garten und in euer Leben – war sehr lustig, aufschlussreich und interessant. Freue mich schon auf ein kommendes Treffen und wünsche euch in der Zwischenzeit alles Gute und ganz viel Erfolg.

Wenn ihr das nachhaltige Projekt unterstützen, mehr über den Permakulturgarten von Viktoria und Tobi erfahren wollt und Interesse an der Thematik sowie deren Produkte habt, könnt ihr euch gerne über Instagram @unkrautundrueben mit Viktoria und Tobi vernetzen.


Viktoria arbeitet außerdem als Biologin und naturwissenschaftliche Illustratorin – ihre wunderschönen Arbeiten könnt ihr euch unter www.viktoriazink.at oder IG @viktoriazink_illustration ansehen und bei Interesse einen Workshop oder Zeichenkurs buchen.