Everybody’s Darling

Everybody’s Darling

Wenn ich über mein Leben nachdenke – es reflektiere – dann sehe ich sehr viele schöne, lustige, aufregende und lehrreiche Momente. Ich sehe jedoch auch viel Traurigkeit, Enttäuschung und Zweifel. Das Leben hat nun mal seine Höhen und Tiefen, die wir alle irgendwann durchleben. Seit ich mich erinnern kann, war ich Everybody’s Darling – eine „Eigenschaft“, die ich ablegen musste.

Ich bin nicht gut genug.

Ein Glaubenssatz von mir war „Ich bin nicht gut genug“. Diesen Satz habe ich bereits als Kind gelernt, abgespeichert und regelrecht manifestiert.

Menschen mit dem Glaubenssatz nicht gut genug zu sein, ziehen auf magische Weise genau diese Menschen in ihr Leben. Menschen, die einem immer wieder das Gefühl vermitteln „Du bist nicht gut genug“. Ob Freunde, Liebespartner oder auch im Job – ich hatte etliche (Ver-)Bindungen, die genau auf dieses Muster zutreffen. Diese Thematik war mir meist gar nicht bewusst – zumindest nicht am Anfang.

Perfektion.

Ich wollte immer Everybody’s Darling sein. Ich habe mich verbogen, verausgabt, mit Nettigkeiten, Hilfe und Liebe nur so um mich geworfen, aber dennoch wurde ich am Ende immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Du bist nicht gut genug. Je mehr Ablehnung ich erfahren habe, umso eifriger habe ich gegen diesen Zustand angekämpft. Mit Disziplin, Ehrgeiz und einem hohen Maß an Perfektionismus habe ich versucht mein Leben für andere lebenswert(er) zu machen.

Wachstum und Heilung.

Aber wisst ihr was? Ich bin gut genug. Ich bin toll und ich bin einzigartig – wie jeder Mensch. Ich muss mich nicht schämen für meine Person oder mich mit Selbstzweifel plagen.

Wenn jemand ein Problem mit mir hat, dann ist das schließlich sein Problem und nicht mein Problem. Ich musste für mich klare Grenzen setzen und meine Standards definieren. Man muss nicht Everybody’s Darling sein und es wird immer Personen geben, die einen nicht mögen, klug, erfolgreich oder schön empfinden. Das ist so und daran wird sich auch nichts ändern.

Mir wurde durch meine letzte Beziehung und Trennung so einiges klarer und das nicht gerade auf die feinfühlige Art und Weise. Menschen kommen nicht grundlos in unser Leben – wir lernen von ihnen und sie von uns. Jede Beziehung (nicht ausschließlich Liebesbeziehungen) hat eine Berechtigung, einen tieferen Sinn, den wir meist erst am Ende erkennen können.

Everybody’s Darling zu sein, ist für mich etwas Schönes, aber nur solange ich mich auch tatsächlich gut damit fühle. Grenzen setzen und sich mehr Wertigkeit zusprechen, auch wenn die eigene (erlernte) Natur dagegen spricht. Man muss es nicht jedem Menschen gefallen, deren Launen ertragen und nach deren Pfeife tanzen. Menschen, die einen wirklich schätzen und lieben, verlangen keine Perfektion.

Heilungs- und Lernprozess

Damit man aus diesem Teufelskreis aussteigen kann, ist es wichtig sich auf seine eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Gesunder Egoismus sozusagen. Diese Reise (zu sich selbst) ist nicht leicht, man wird ständig aus dem Außen verunsichert und hegt laufend Zweifel.

Für meinen Heilungsprozess habe ich sehr viel Tagebuch geschrieben, ein Mantra gesetzt, mir Zeit mit meinen Gedanken sowie Gefühlen genommen, meditiert und mein bisheriges Leben reflektiert.

Mein Weg muss nicht euer Weg sein. Jeder Heilungsprozess läuft anders ab.

Vor einigen Wochen habe ich einen sehr schönen Satz entdeckt:

Wie wärs, wenn wir alle weniger Wert auf unser Gewicht und dafür wieder mehr Gewicht auf unseren Wert legen?

Laura melina Seiler