Süchtig nach Social Media

Süchtig nach Social Media

Ich habe ein Problem. Ich bin süchtig. Süchtig nach meinem Smartphone. Süchtig nach Social Media. Wenn Instagram, Pinterest und Co. krank machen.

Wow, was für eine Erkenntnis. Das klingt so hart und so beschämend, doch ich muss zu mir ehrlich sein und möchte die Situation nicht verschönern. Auch möchte ich euch nicht eine heile Welt vorspielen und dieses Thema nicht „bereden“. Nicht falsch verstehen – ich liebe meinen Job. Ich liebe es meinen Blog zu schreiben, Fotos zu machen und die auch auf Social Media zu teilen. Was ich hingegen nicht so prickelnd finde, ist mein Suchtverhalten und der Gedanke dabei.

Blog vs. Instagram

Ich habe immer den Blog von Instagram und Co. separiert. Für mich sind diese Medien völlig unterschiedliche Welten. Ich würde mich auch nicht als klassischen Influencer betiteln. Ich bin Bloggerin, Autorin und erstelle Content. Kann mich mit dem klassischen Influencer nicht identifizieren. Möchte die Arbeit von Instagrammern nicht schlecht reden, denn der Aufwand der hinter diesen Fotos und auch den Texten steht ist enorm – sollte man nicht vergessen. Dennoch würde ich meinen Job/den Blog, der auch zum Großteil mit der Erstellung von Fotos und Texten zu tun hat von dem Inhalt auf Instagram und Facebook unterscheiden.

Mir macht meine Arbeit Spaß. Ich liebe es für euch Texte zu verfassen, die passenden Bilder dazu zu erstellen und sie eben mit der Welt zu teilen. Einen Mehrwert bieten. Jemanden helfen. Eventuell eine neue Sichtweise aufzuzeigen. Alternativen vorzustellen, zu informieren und ein wenig mehr Freude in diese Welt zu bringen.

Mich entspannt die Schreiberei – es ist für mich eine Form meine Kreativität auszuleben. Auch das Fotografieren ist eine Leidenschaft, die ich auf diese Weise umsetzen kann. Ich verdiene damit auch mein Geld. Lebe zwar nicht nur von diesem Blog, denn ich habe auch noch andere Unternehmen, die ich in dieser Branche unterstütze. Ich könnte locker nur von meinem Blog leben, aber dann müsste ich jeden Auftrag annehmen und würde euch mit Werbung zuschütten und das liegt nicht in meinem Interesse. Ich bin kein reiner Werbeblog. Im Monat stelle ich in etwa 20 Artikel online, wovon höchstens 5 gesponsert werden – für diese Artikel bekomme ich Geld bezahlt und der Rest fällt ohne Bezahlung aus.

Aber nun kommen wir zu dem Teil, der auch mit meinem Job in Verbindung steht. Social Media. Ich bin süchtig nach Social Media und auch nach meinem Smartphone.

I’m a 90’s bitch

Ich werde in knapp 2 Monaten 31 Jahre alt und bin Ende 1989 auf diese wunderbare Welt gekommen und habe meine Kindheit somit den 90ern erlebt – ganz ohne Smartphone und Social Media. Auch die Hälfte meiner Teenie-Zeit gab es noch kein Instagram und Co. und darüber bin ich wirklich sehr froh.

Mir tun die Kids in der heutigen Zeit leid. Dieser Druck und diese Sucht können für einen jungen Menschen oft nur schwer erträglich sein. Der laufende Vergleich mit anderen Menschen (weltweit), ständig schöne und erfolgreiche Menschen und dieser stetige Wunsch nach Anerkennung und Lob können einfach nicht gut für einen jungen Menschen sein. Ich bin nicht mehr so jung und dennoch struggle ich mit den Folgen eines zu aktiven Smartphone-Konsums.

Wenn das Smartphone krank macht

Ich verbringe sehr viel Zeit mit meinem Telefon. Es ist zum Teil auch mein Job, aber eben nur zum Teil. Ich öffne mein Handy und ich gehe ganz unbewusst auf Instagram oder Pinterest – süchtig nach Social Media. Es zieht mich magisch an. Egal zu welcher Tageszeit. Diese Apps lösen ein krasses Suchtpotenial aus und das ist auch bewiesen – dazu gibt es unzählige Studien und Berichte. Smartphone und Apps werden so erstellt, damit wir immer mehr konsumieren wollen, immer länger aktiv in den einzelnen Apps bleiben und Werbetreibende damit ihr Geld verdienen können. Social Media ist nicht nur schlecht und böse – ich habe sehr liebe Menschen über diese Apps kennengelernt, viele tolle Erfahrungen gemacht, aber dennoch würde ich es eher als Last bezeichnen.

Eine weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist und mir große Sorge bereitet – ich beziehe (scheinbar) meinen Selbstwert aus diesen fucking Apps. Wow, eine weitere Erkenntnis, die mich erschreckt und wofür ich mich in Grund und Boden schäme. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass beinahe jeder aktive Social Media Anwender mit dem gleichen Problem zu kämpfen hat. Vielleicht ist es einigen gar nicht bewusst.

Überlegt mal. Warum ladet ihr Fotos hoch?

Ihr wollt Anerkennung, Lob, Verständnis oder Liebe. Ob es jetzt ein Selfie ist oder ein schönes Urlaubsfoto tut nix zur Sache. Wir eifern nach einer Reaktion. Natürlich einer guten Reaktion.

Es gibt (für mich) keinen anderen Grund, weshalb wir unser „ganzes“ Leben mit der Öffentlichkeit teilen sollten. Das bedeutet dann aber auch – je weniger Menschen (positiv) auf unsere Inhalte reagieren, umso schlechter fällt es für unseren Selbstwert aus. Je besser die Reaktionen, umso mehr steigt unser Selbstwert.

Dieses Verhalten macht auf Dauer krank. Diese Apps machen krank. Der stetige Konsum von immer mehr Informationen, Falschmeldungen, schönen und erfolgreichen Menschen macht auf Dauer krank. Wir vergessen auf das echte Leben. Was nicht auf Instagram gepostet wurde, hat man schließlich auch nicht erlebt – nee?

Ausstieg aus der Social Media Falle

Ich habe für mich die Reißleine gezogen. Mein Konsum wurde in diesem Jahr einfach unersättlich. Hängt natürlich auch mit meiner derzeitigen Lebenssituation zusammen. Ich bin seit Anfang des Jahres wieder alleine und habe somit viel Zeit in diese Apps investiert. Zeit, die ich deutlich sinnvoller nutzen hätte können.

Als ich noch in einer Beziehung war, gab es für mich klare Regeln – kein Smartphone, wenn wir zusammen waren. Kein Smartphone im Schlafzimmer, Sofa oder beim Essen. Mein Handy habe ich zwar schon genutzt, aber nicht in diesem Ausmaß. Damit ist nun Schluss.

Ich habe folgendes getan:

  • Freunde auf Facebook entfernt, die ich nicht kenne
  • Meine zukünftigen Beiträge auf PRIVAT gestellt – generell möchte ich Facebook privat nicht mehr nutzen
  • Alle Benachrichtigungen deaktiviert
  • Auf Instagram habe ich meine Abonnements ebenfalls auf die Hälfte reduziert – ich folge nur mehr Menschen, die ich tatsächlich kenne. Zusätzlich befinden sich noch knapp 15 Accounts darunter, die ich wirklich sehr gerne mag – der Rest ist weg
  • Konto auf PRIVAT gestellt
  • Alle Benachrichtigungen aus
  • Werde auf Instagram nur mehr 1-2x pro Woche posten und die Story’s ebenfalls reduzieren
  • Social Media Zeit (Bildschirmsperre) auf 2 Stunden pro Tag eingestellt
  • Nicht-Stören-Modus generell am Handy zwischen 22 Uhr und 6 Uhr aktiviert
  • Alle Apps gelöscht, die ich nicht wirklich brauche
  • Werde das Smartphone ab jetzt nur in gewissen Situationen einpacken – ansonsten bleibt es in meiner Wohnung

Ich hoffe, ich kann mit diesen Änderungen meine Sucht in den Griff bekommen. Mir kommt vor, ich versäume mein Leben, lasse mich zu sehr von virtuellen Dingen mitreißen und vergesse dabei auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu achten. Ich möchte meine sozialen Kontakte pflegen, aber offline und nicht ausschließlich online. Ich möchte mich auch nicht über eine fucking App definieren müssen – meinen Selbstwert daraus beziehen und mich laufend über Anerkennung von irgendwelchen Menschen „aufgeilen“ müssen.

Zusätzlich treiben sich ziemlich schräge Vögel auf Sozialen Netzwerken rum, die nicht nur Gutes im Sinn haben. Erst vor einigen Wochen wurde ich bedroht, gestalkt und mit unangemessenen Bilder sowie Texten bombardiert. Wir gehen oft sehr leichtsinnig mit unserem Privatleben um und teilen Dinge, die eigentlich nur der engste Kreis sehen sollte. Man muss wirklich vorsichtig sein, denn man weiß nie, wer tatsächlich hinter einem Account steckt.

Ehrliche Worte, die mir selbst weh tun.
Vielleicht konnte ich mit diesem Artikel irgendjemand erreichen, der ein ähnliches Problem hat – der ebenfalls süchtig nach Social Media ist und auch gerne aus diesem Teufelskreis ausbrechen möchte.

Kleiner Nachtrag: Als ich diesen Artikel beendet habe, bekam ich schlagartig auf Netflix eine Vorschlag zu einer Social Media Dokumentation, die genau dieses Thema behandelt. Egal was wir tun, wir stehen immer unter Beobachtung..erschreckend.