Das Leben eben

Bin ich genug?

Monate schreibe ich nun schon an diesem Posting. Entferne Zeilen, füge Neue hinzu und bin mir immer wieder unsicher, ob ich das genau so formulieren kann und auch soll. Ich habe einige private Artikel bereits verfasst, aber dieser erzählt sehr viel über meine Persönlichkeit. Warum gebe ich diese Informationen preis? Wieso schreibe ich über Themen, die mich persönlich betreffen? Weil ich in erster Linie anderen Menschen damit helfen möchte, weil ich denke, es gibt eine Vielzahl an Personen, die genau so ein Problem haben. Bin ich genug?

Bin ich genug? Ja verdammt.

Wer mich nicht persönlich kennt, der wird ein aufgedrehtes, fröhliches Mädel vor sich sehen – immer lustig, immer gut gelaunt, vielleicht sogar selbstbewusst, mit einer großen Klappe und breiten Grinsen. Das bin ich auch alles, aber ich bin auch mehr als nur das. Ich bin oft verunsichert, traue mir wenig zu, manchmal traurig sowie wütend, ängstlich und misstrauisch. Eigenschaften oder auch Emotionen, die wir alle in uns tragen.

Seit ich denken kann, tendiere ich dazu unsicher zu sein – nicht gerade selbstbewusst und selbstsicher. Angst vor bestimmten Situationen und auch Menschen. Das hat bei mir schon recht früh begonnen und wurde mit den Jahren immer schlimmer. Äußerlich konnte ich das oft sehr gut tarnen, um nicht noch angreifbarer zu werden.

Woher kommt dieses Gefühl von „nicht genug zu sein“?

Ich denke, es waren ganz „irrelevante“ Situationen oder Aussagen, die Menschen in meinem Umfeld getätigt haben. Egal ob Familie, Freunde, Mitschüler oder Lehrer – irgendwann hat irgendwer etwas über mein Äußeres oder meine Leistung ausgesprochen, mich verglichen und damit unbewusst beeinflusst. Hatte bereits als Kind das Gefühl nicht gleich gut wie andere Kinder oder Freunde zu sein. Nicht so hübsch oder dünn zu sein, weil ich irgendwann deswegen kritisiert wurde. Nach Jahren hat sich diese Unsicherheit und dieses Gefühl so stark ausgeprägt, dass es immer schlimmer wurde und irgendwann eben in einer Essstörung geendet hat. Es war jedoch nicht nur mein Körper mit dem ich ein Problem hatte, sondern auch in der Schule, in Jobs oder in meinen Beziehungen, wo sich dieses mangelnde Selbstbewusstsein gezeigt hat. Ein damaliger Arbeitskollege hat mich immer so extrem gefeiert, bei anderen Kunden in den höchsten Tönen von mir gesprochen und ich dachte mir immer nur „Fuck, ich bin ja gar nicht so gut und die werden furchtbar enttäuscht sein.“ Konnte seine Reaktion nie verstehen, aber jetzt weiß ich „Hey, ja ich bin wirklich gut in dem was ich mache und er hatte vollkommen recht damit! Danke Alex.“

Hey Panikattacken..nice to meet you.

Der Druck wurde bei mir einfach immer größer – ich bin nicht ausreichend und muss besser, dünner, kluger, erfolgreicher und was weiß ich alles werden. Irgendwann hat mein Körper diese Strapazen nicht mehr mitgemacht. Nach jahrelangem Hungern, negative Gedanken und Quälerei kamen irgendwann meine Panikattacken zum Vorschein. Bämm! Das hat gesessen und fast 2 Jahre hab ich mein Leben in einem selbsterrichteten Turm mit einer ganz großen verschlossenen Tür gelebt. Es gab ein kleines Fenster aus dem ich manchmal ausbrechen konnte, aber den Großteil dieser Zeit verbrachte ich alleine mit meiner Unsicherheit und meinen Ängsten.

Unser Körper ist nicht dumm.

Panikattacken sind eine Art Schutzsystem unseres Körpers, die sich zeigen, wenn es zu viel wird, wenn das Leben zu extrem wird. Mein Körper hat den Alarmknopf schon lange Zeit immer wieder angetippt, aber ich habe einfach nicht darauf gehört und schlussendlich waren die Panikattacken das Beste was mir passieren konnte. Sie haben mich zwar isoliert, aber ich konnte endlich viele Dinge aufarbeiten, mich ändern, wachsen und ein anderer Mensch werden. Anders über meinen Körper und mein Leben urteilen, mich weiterentwickeln und einsehen, wie weit ich gehen kann bzw. darf. Ich hab alles versucht, um das „Problem mit den Panikattacken“ in den Griff zu bekommen, aber nichts hat geklappt. Erst 2018 ging es langsam bergauf und das nur, weil ich endlich verstanden habe, wieso sie eigentlich in mein Leben getreten sind. Wieso ich mich so verhalte, wieso ich meinen Körper als Feind betrachte und wieso meine Beziehungen nie funktioniert haben. Warum ich noch immer nicht „Ich liebe dich“ sagen kann und weshalb ich gute Jobs ausschlage, weil ich von mir selbst denke, ich kann es nicht.

Ich bin auf meine Weise gut genug und auch perfekt.

Gut genug und auch perfekt

Manchmal wären wir gern anders, doch das hat niemals einen Zweck. Jeder ist auf seine Weise gut genug und auch perfekt.

Julia Engelmann

An sich selbst arbeiten ist verdammt anstrengend. Kostet sehr viel Kraft und man muss laufend Rückschläge einstecken. Bis zum heutigen Tag arbeite ich an meinen Ansichten, meinem Verhalten und versuche täglich aufs Neue nicht wieder in alte Muster abzurutschen. Immer klappt’s nicht, aber an sehr vielen Tagen eben schon. Ich bin glücklich. Ich bin klug, ein liebevoller Mensch, schön, erfolgreich und es gibt nichts auf dieser Welt, was ich nicht schaffen kann. Dadurch das ich immer gut genug sein wollte, habe ich mir auch sehr viele Dinge beigebracht – ich bin selbstständig und es gibt wenig Sachen, die ich nicht kann. Kann ich sie nicht und möchte ich sie beherrschen, dann lerne ich sie einfach.

Aber was macht man nun, wenn man dieses Gefühl hat?

Der erste Schritt: Man muss es erkennen. Sich eingestehen, dass man dieses Gefühl hat und Situationen reflektieren, in denen man dieses Gefühl von „ich bin nicht genug“ bekommt. Stellt euch dann die Frage: Warum glaube ich das von mir und ist es auch die Wahrheit? Bin ich wirklich nicht gut genug oder rede ich mir das einfach nur ein? Bin ich nicht gut genug, weil ich mich mit anderen Menschen vergleichen möchte oder habe ich selbst, wenn es keinen Vergleich geben würde, auch diese Auffassung von mir?

Nun kommen wir zum schwierigen Teil. Die Arbeit. Ihr müsst euch jeden Tag gut zureden, euren Körper und Geist liebevoll behandeln und euch in Situationen begeben, in denen ihr euch selbst zeigen könnt „Ich bin genug“. Achtet auf euch und tut Dinge nur für euer Wohlergehen – denkt dabei nicht an andere Menschen und vor allem habt Geduld mit euch.

Meditiert, geht in euch und verbringt Zeit mit euch alleine – gebt eurem Geist die Möglichkeit die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Festigt euren Glaubenssatz „Ich bin gut, ich bin genug und ich kann alles schaffen, was ich schaffen möchte“.

Ich für meinen Teil habe sehr viele Dinge in meinem Leben geändert, die ich hier nur kurz anführen werde..

  • Liebevolle Menschen in mein Leben gelassen
  • Meditationen
  • Yoga
  • Sport und Wandern
  • Viel in die Natur gehen
  • Gesunde Ernährung und kein Verzicht
  • Tagebuch bzw. ein Gedankenbuch schreiben
  • Weniger Besitz
  • Freier und entspannter mit dem Körper umgehen
  • Ich habe zu mir selbst gefunden (Wer bin ich? Was mag ich? …)
  • Positive Gedanken
  • Das Leben nicht mehr so ernst nehmen
  • Jeden Tag so zu leben, als wenn es mein letzter Tag sein würde (täglich etwas Schönes/Lustiges/Aufregendes erleben)
  • Menschen aus meinem Leben gekickt, die für mich nicht gut waren
  • Kein Vergleich mit anderen Menschen mehr
  • Das Gefühl von Liebe zugelassen
  • Routinen eingeführt (Aufstehen, Yoga, Meditation..Wasser trinken etc.)
  • Gespräche mit Therapeuten geführt
  • Cranio Sacral Therapie, Omnipathie und Energetik ausprobiert
  • Künstliche Hormone aus meinem Leben verbannt
  • Die kleinen Dinge im Leben zu schätzen begonnen
  • Mich in Situationen gebracht, die für mich anstrengend waren oder mich gestresst haben, um daraus zu lernen und daran zu wachsen
  • Geld ist nicht ALLES
  • Gelernt mich zu lieben, auf mich zu achten und meine Bedürfnisse nicht zu verstecken

…jede Menge eben. Findet man heraus, wer man ist und was man möchte, dann weiß man auch, wie man sein Leben neu strukturieren, alte Gewohnheiten ablegen und Neue in sein Leben integrieren kann. Ich sag’s euch..nicht easy peasy. Wenn ihr es wirklich schaffen und endlich ein erfülltes Leben führen wollt, dann werdet ihr das auch hinbekommen. Das Leben ist so wunderbar und es wäre schade, wenn man es durch solche Gedanken nur zur Hälfte genießen kann.

Wer sich gerne mit mir austauschen möchte, der kann hier kommentieren, mir auf Instagram schreiben oder mir auch per Mail ein paar Zeilen zukommen lassen – eure Nina.

Könnte dir auch gefallen

Keine Kommentare

Lass ein bisschen Liebe da

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu