In 190 Tagen um die Welt

In 190 Tagen um die Welt

Ende des Jahres habe ich mit meiner Freundin Julia gemeinsam eine Insta-Story veröffentlicht, wo wir euch gefragt haben, ob euch ein Posting über eine größere Reise interessieren würde. Die Mehrheit hat für YAY abgestimmt und here we go – in 190 Tagen um die Welt

Julia kenne ich bereits seit dem Gymnasium und wir haben eigentlich den Großteil unserer Jugend zusammen verbracht. In den letzten Jahren gab es wenig bis keinen Kontakt und erst gegen Ende letzten Jahres wurde der Kontakt wieder mehr. In diesem Posting erzählt Julia ein bisschen über ihre Reise – wieso, weshalb und warum sie diese Entscheidung getroffen hat, was sich für sie verändert hat und welche Tipps sie euch für so eine Tour geben kann.


In 190 Tagen um die Welt.

Nina: Warum und wie entschließt man sich dazu eine Weltreise zu machen?

Julia: Der Gedanke eine Weltreise zu machen, schwebte um ehrlich zu sein schon seit Jahren in meinem Kopf herum. Aber irgendwie findet man nie den „richtigen“ Zeitpunkt, um so eine Reise anzutreten und sich einfach 190 Tage Auszeit vom Alltagsleben zu nehmen. Einmal ist man in einer Beziehung, das andere Mal muss man dann seine Ausbildung abschließen und ein weiteres Mal muss man sich selbst vielleicht eingestehen, dass der Gedanke sehr viel Mut braucht, den man dann doch nicht hat. Als im Jahr 2016 für mich mein Masterstudium endete und einige persönliche Tiefschläge mich in die Knie zwangen, war mein Mut endlich da meine Weltreise zu planen und auch durchzuführen.

Ziele erreicht, was nun?

Ich stellte fest, dass ich meine ersten Ziele, welche ich mir im Jugendalter gesetzt hatte (Studium, Arbeitserfahrung, etc.) erfolgreich erreicht habe, jedoch noch nicht ganz bereit war den ersten Schritt in die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu wagen. Nach einer geilen Studienzeit in Wien wollte ich dann doch nicht von heute auf morgen erwachsen werden und viele offene Fragen schwebten mir vor. Wohin gehe ich jetzt? Bleibe ich in Wien? Welchen Job möchte ich ausführen? Welche Ziele kommen jetzt? Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und immer dann, wenn ich eine Etappe meines Lebens bewältig habe, suche ich schon nach einer neuen aufregenden Herausforderung.

In 190 Tagen um die Welt

Alltag und Routine sind für mich nur schwer erträglich und daher suche ich rasch nach neuen Lebensaufgaben. Auch die Neugier etwas Neues kennenzulernen, rief in mir den Mut hervor die Welt alleine zu bereisen. Neue Kulturen, neue Länder und Selbsterfahrung haben mich davon überzeugt die Reise zu planen. Jene die mich kennen, wissen dass ich ständig nach meinen eigenen Grenze suche und kein Weg für mich zu weit ist. Es war für mich daher Zeit nochmal richtig die Sau rauszulassen und da passte dann wirklich alles zusammen. Ich beendete mein Studium, kündigte meinen Job, beendete meine Beziehung und gab meine Wohnung in Wien auf.  So here we go… mein Leben wieder auf Null gesetzt, hatte ich jetzt die Möglichkeit mit freien Gedanken die wohl aufregendste Reise meines Lebens zu starten … meine Entscheidung war gefallen – ich wollte wissen was die Welt zu bieten hat..und glaubt mir, es war jede Menge. 😉


Wie plant man eine Weltreise – deine 3 Tipps für eine größere Reise?

Julia: Um für eine Weltreise gewappnet zu sein, bedarf es eine jede Menge an Planung – besonders, wenn man eine sehr organisierte Persönlichkeit ist..wie meine Wenigkeit. Ich habe sowohl meine Ziele, als auch die Flüge und Quartiere/VW-Bus zu Beginn gebucht. Ich würde es jetzt nicht empfehlen, da mein so die Spontanität verliert. Der Großteil dieser Planung war jedoch, dass ich die Kosten für Wohnen, Fortbewegungsmittel und Flug bereits von Beginn fixiert hatte und ich mein restliches Budget für Essen und Abenteuer übrig hatte. Meine Tipps für euch sind daher:

    • Flüge nicht fixieren – so bleibt ihr spontaner und könnt euren Aufenthalt in einem Land verlängern oder auch verkürzen
    • Nicht zu lange in einem Land bleiben – man hat dann Zeitdruck bei den Destinationen, die danach kommen und man kann nie wissen, wo es einem am Besten gefällt
  • Handy nicht ständig mitnehmen! I know it’s our Generation- aber man sollte wirklich mehr die einzigartigen Momente genießen und nicht den ganzen Tag auf Social Media rumhängen – definitiv ein NOGO – ihr macht wahrscheinlich gerade die Erfahrung eures Lebens 🙂

Was hat sich für dich nach der Weltreise verändert – was wurde dir bewusst?

Julia: Nach meiner Reise war es ein richtiger Kulturschock wieder in Österreich anzukommen. Klar Österreich ist sehr lebenswert und vor allem ist unser Sozialsystem vielen Ländern voraus, aber eines muss man an dieser Stelle auch sagen – verdammt sind wir ein unfreundliches Land.  Aber zurück zu meinen Veränderungen – ich weiß nicht wo ich am Besten anfange – 190 Tage um die Welt – man stößt an seine persönlichen Grenzen, man bewältigt Ängste und man lernt sich selber von einer ganz anderen Seite kennen. Ich habe meine Stärken nutzen  und meinen Schwächen entgegentreten können. Ich habe gelernt, dass man egal wo auf der Welt man gerade ist, jemand da ist – der gerade dasselbe wie du erlebt oder wie du fühlt. Wir haben alle die gleichen Probleme und alle die gleichen Ziele? Sind es die Liebesgeschichten die wir uns gegenseitig in Hawaii erzählt haben oder die Ziele die wir uns gemeinsam in Kapstadt gesteckt haben.

Was wollen wir?

Im Endeffekt wollen wir alle nur glücklich sein und geliebt werden. Ich habe aus unterschiedlichsten Nationen Menschen kennengelernt und kann diese mit Stolz meine Freunde nennen. Ich habe aber ebenso festgestellt, wie wichtig mir meine vorhandenen Freunde in Österreich sind und wie sehr ich meine Familie liebe. Die größte Veränderung war jedoch, dass ich auf einmal wusste, wohin meine Zukunft führen soll. Ich habe für mich Ziele in der Zukunft festgelegt, die ich jetzt nach meiner Auszeit zielstrebig verfolgen werde.

In 190 Tagen um die Welt


Welches Land würdest du sofort erneut besuchen?

Julia: Mein absolutes Favoriteland war Hawaii – bereits am ersten Tag habe ich verstanden wieso die Inselgruppen das Paradies genannt werden. Ich habe bereits viel von unserer Welt gesehen, aber da blieb sogar mal mir der Atem stehen. Super Wetter, coole Strände, tolle Wanderwege, mega Wellen und eine entspannte Mentalität – willkommen in Hawaii. In Hawaii war ich fast 9 Wochen und habe die Inseln wohl von ihrer schönsten Seite kennengelernt.

Das Leben ist schön.

Wenn man am Morgen mit Schildkröten surfen geht und am Nachmittag unter einem faszinierenden Wasserfall steht, weiß man spätestens zu diesem Zeitpunkt, dass es wirklich das Paradies sein könnte. Aloha habe ich definitiv mit nach Hause genommen und ist ein Spirit, den ich tief in meinem Herz tragen werde. Ich muss jedoch auch fairerweise sagen, dass man überall auf der Welt wunderschöne Plätze sieht. Australien, Neuseeland & Südafrika sind ebenso definitiv eine Reise wert.


Was kostet der Spaß, wenn man für 190 Tage um die Welt reisen möchte? 

Julia: Wenn man sparsam lebt und die Reise gut plant, dann kann man mit ca. €15.000 rechnen.

Mit sparsam, meine ich: im Bus oder Hostel schlafen, nicht ins Restaurant gehen, sondern sich selbst vor den Herd bzw. Campingkocher stellen.

Für alle Flüge habe ich knapp 3500€ bezahlt (Around the world Ticket – in eine Richtung) und die zusätzliche Versicherung (sehr zu empfehlen) war bei knapp €800 gesamt.


Deine (negativen) Erfahrungen nach deiner Reise?

Julia: Eine negative Erfahrung in dem Sinn hatte ich nicht – ich musste nur feststellen, dass wenn man dann endlich zu Hause angekommen ist, die Realität sehr schnell zuschlägt – schlussendlich ist die Zeit zu schnell verrannt und man sollte wieder Fuß im Alltagsleben fassen. So who cares – es beginnt die Jobsuche, die Wohnungssuche und die Umsetzung deiner Ziele, die du dir gesetzt hast – diese Aufgaben können sehr schnell ernüchternd auf dich wirken – vor allem nach so aufregenden 6 Monaten.

In 190 Tagen um die Welt

Aber Kopf hoch – im Grunde lösen sich dann alle Probleme in Luft auf und du stehst schneller wieder mit beiden Beinen im Leben als dir lieb ist. Ich hatte nach 1 Monat wieder meinen geregelten Alltag und ich kann euch sagen, ich war glücklicher als zuvor. Meine Lust auf Abenteuer war für die nächsten 7 Monate gestillt. Naja aber wir wissen ja – Fernweh kommt schneller, als uns lieb ist und ich plane schon wieder meine nächste Reise.


Was hast du auf der Reise vermisst? 

Julia: 

Natürlich sind 190 Tage nicht für immer, aber ja es ist eine lange Zeit. Der Abschied von meiner Familie, Freunden und Haustieren fiel mir dementsprechend schwer und ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht was wirklich in dieser Zeit passieren wird. Ich habe sehr viele Leute kennengelernt, ich habe sehr viele Dinge gesehen, aber ich konnte keinen dieser Momente mit meinen besten Freunden und meinen Geschwistern/Eltern teilen. Natürlich kann man Fotos/Videos schicken, aber ich konnte keinem meine Gefühle übermitteln.

Das fehlte mir wirklich..

Ich vermisste es manchmal von einer geliebten Personen in den Arm genommen zu werden und ich vermisste die einfachen Gespräche mit meinen Freunden, die natürlich sämtliche Insider von mir kannten. Es gab Momente, an denen ich an meine Grenzen gestoßen bin und da wurde mir bewusst – welche Personen mich in meiner Heimat unterstützen. Man ist schließlich auf der anderen Seite der Welt – da kann niemand in 5 Minuten bei dir sein, aber du kannst auch nicht so einfach bei jemand anderem sein.


Was war deine schlimmste Erfahrung? 

Julia: Meine schlimmste Erfahrung war in New York, als ich alleine um 4 Uhr auf dem Weg zum Flughafen nach Miami war. Ich habe mir ein Uber gerufen und bin auch ahnungslos angestiegen. Mein Uber-Fahrer war ein Afro-Amerikaner und hatte mich auch ziemlich bald einmal gefragt, ob ich Deutsche bin. ( Dialekte hört man auch in meinem Englisch) – ich antworte höflich mit Ja. Der größte Fehler an diesem Abend. Ich wurde aufmerksam gemacht, dass Hitler ebenso Deutscher/Österreicher war und ich bitte sofort als Rassist das Taxi verlassen soll. Naja 4 Uhr Früh in einem Vorbezirk in New York?

In 190 Tagen um die Welt

Kein Internet? Keine Taxinummer? WTF? Gott sei Dank wurde ich in der Nähe einer Tankstelle aus dem Fahrzeug geschmissen und der Tankwart war so nett und hat mir ein neues Taxi gerufen: Rassismus mal umgekehrt! Eine Erfahrung die ich kein zweites Mal machen muss…


Geilsten Erfahrungen auf deiner Reise? 

Julia: 

Ich muss sagen, es gibt nicht nur ein geiles Erlebnis. Ich habe so viele unvorstellbare Dinge erlebt und gesehen – hier ein paar Highlights für euch:

    • Surfen in Hawaii mit Delfinen und Schildkröten
    • Kepler-Track in Neuseeland – man schwebt über den Wolken
    • Seelöwen gestreichelt – verdammt sind die weich
    • In einer Glühwürmchenhöhle zu stehen und einfach fasziniert zu sein
    • Weihnachtszeit in New York
    • Kapstadt – 7 Stunden auf den Tafelberg – ohja wir sind unbesiegbar
    • In Clubs in New York feiern
  • In Neuseeland zu stehen und zu wissen, dass man 16.000km entfernt ist von seinen Freunden und seiner Familie

Würdest du es erneut machen? 

Julia: Ja, definitiv aber keine 190 Tage mehr – ich möchte die Erfahrung nicht missen und ich kann sie jedem nur empfehlen, aber meine nächsten Reisen werden die 3 Monatsgrenze nicht mehr überschreiten.


Neues Ziel? 

In 190 Tagen um die Welt

Julia: Ja, mein nächstes Ziel ist es im Mai für ein Monat Kanada zu bereisen. We will travel into the wild – ist das Motto. Ein Van + 2 Mädels und die grenzenlose Natur von Kanada. Ich kann es kaum erwarten und freue mich jetzt schon mich ein Stück weiterzuentwickeln. Reisen ist schließendlich die schönste Investition in sich selbst.


Wir hoffen euch hat dieser Beitrag gefallen – jeder kann so ein Ziel verfolgen und neue Erfahrungen für’s Leben sammeln. Traut euch!

Mehr über Julia und ihre Reisen, könnt ihr auf ihrem Instagram Account ansehen und nachlesen. 

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